Dies ist der Erste Text meiner  Serie „Klar kommen nach dem Studienabbruch“ .  Dieser erste Text handelt hauptsächlich von mir, wenn Du nach Tipps für Dich suchst spring am Besten direkt zu den passenden Beitrag:

Teil 1: Der schöne Lebenslauf ist dahin
Teil 2: Ein Jahr überbrücken
Teil 3: Die passende Ausbildung zu Deinem abgebrochenen Studiengang
Teil 4: Sinnsuche, Selbstzweifel und Mimimi
Teil 5: Den Überblick über die vielen Bewerbungen behalten
Teil 6: Bewerbungsgespräche, Einstellungstests und Assessmentcenter


Studienabbrecher.  Es ist ein seltsame Erfahrung sich selbst so nennen zu dürfen.  Denn egal wie oft du ließt, dass Studienabbrecher in vielen Ausbildungen als Idealbesetzung gelten oder das Arbeitsamt das ganze „Studienerfahrung“ nennt, es bleibt doch immer die Stimme von deinem konservativen Nachbarn im Ohr der bestimmt gerade hinter deinem Rücken flüstert: „Versaaager“. Warum ist das so?

Da steht man dann also irgendwo zwischen panischen Eltern,  tausend ‚guten‘ Ratschlägen und einem Arbeitsamt, dass irgendwie keine passende Abteilung für dich hat. Doch beim Arbeitsamt muss man nicht lange bleiben, den bei Helferjobs sind Studienabbrecher auf jeden Fall ähnlich begehrt wie Studenten, wenn nicht sogar noch begehrter. Aber niemand will ewig bei Hermes Pakete austragen, in Wäschereien am Laufband Lappen sortieren, an der Kasse sitzen oder im Call-Center arbeiten. Wie so viele ab nach Berlin und in die Werbebranche wollte ich auch nicht.  Ein Plan muss also her. Aber wohin mit jemand, der es wagt ein sozialwissenschaftliches Studium abzubrechen, das Studium also, über das eben jener Typ von Nebenan damals schon den Kopf geschüttelt hat? Ich habe das erlebt und möchte hier ein Jahr später etwas von meiner Odyssee Berichten und vor Allem Tipps und Ratschläge  geben, die ich selbst erst zusammensuchen musste. Ich bin nach diesen Ereignisreichen Jahr jetzt in einer festen Ausbildung, doch dieser Beitrag handelt erst einmal davon wie alles begann.

schnellerLebenslaufEine Ironie meines Lebens ist, dass mir beim einzigen Fernsehauftritt meines Lebens mir die Worte: „Ein schneller Lebenslauf ist nicht alles.“ als Zitat in den Mund gelegt wurden.* Ich war damals zu einer Talkshow über den Ende des Zivildienstes eingeladen wo ich das vergnügen hatte als einer der letzten Zivildienstleistenden mit Norbert Geis (CSU) und einigen anderen über BUFDI, FSJ und Ähnliches zu reden.  Das war wenige Monate vor dem Beginn meines Studiums und wirkt heute für mich wie ein lascher Witz des Schicksals. Vielleicht haben sie mich aber auch einfach nur treffend eingeschätzt. In meinen Zivildienst betreute ich einen querschnittsgelähmten Rollstuhlfahrer, der VWL-Stundent war.  Es war wirklich spannend so viel Zeit mit jemanden zu verbringen, der wirklich tiefere Ahnung von der Gesellschaft und der Wirtschaft hatte und das brachte mich  auf die Idee Sozialwissenschaften zu studieren.

Also begann ich ein Studium in Jena. Hauptfach Soziologie, Nebenfach Wirtschaftswissenschaften.  Es wurde schnell klar, dass Wirtschaftswissenschaften doch nichts  für mich war, deswegen wechselte ich mein Nebenfach zu Biowissenschaften. Ich war in der Schule immer gut in Bio und ich hatte den Plan mich in Soziologie Richtung Umweltsoziologie und Techniksoziologie zu spezialisieren und in Bio Richtung Humanbiologie. So hätte die doch etwas wilde  Fächerkombination sich dann doch gut ergänzen können.  Außerdem konnte ich immer höchst intellektuell von der Schnittstelle von Sozial- Geistes- und Naturwissenschaften schwadronieren und erzählen wie seltsam es doch sei diese Bereiche der Wissenschaft so strikt zu trennen und dass die Zukunft interdisziplinär sei. Solche Sachen eben.

Naja Fächer wie Botanik haben mir das Genick gebrochen, ich habe viel Zeit in der Uni verbracht, aber die Bücher aus den anderen Fachbereichen waren immer spannender als das was ich gerade lernen sollte.  Und plötzlich  waren eben die Exmatrikulationsbescheide da.  Drittversuche zogen an mir vorbei.  Ich wusste das natürlich vorher, aber ich habe es damals nicht wirklich wahr genommen.  Und irgendwann sitzt man eben da und ist kein Student mehr, dafür aber schon 23 Jahre alt. Im alten System wäre ich wahrscheinlich Langzeitstudent geworden, aber ich lebe eben heute und wahrscheinlich ist das gar nicht so schlecht. Ich habe mich dagegen entschieden noch mal ein anderes Fach anzufangen und mich stattdessen auf Ausbildungen beworben. Ich war in vielen Städten überall in Deutschland auf Vorstellungsgesprächen,  war Probearbeiten und habe verschiedene Jobs ausprobiert. Ich habe viele Absagen bekommen aber auch Zusagen abgelehnt und letzten Endes viel gelernt und erlebt. Über das ganze letzte Jahr verteilt habe ich mir Dinge und Erfahrungen aufgeschrieben, die mir wichtig erschienen. Diese Notizen möchte ich etwas aufbereitet in dieser Artikelserie verarbeiten.

Hier noch mal alle Teile der Serie:

Teil 1: Der schöne Lebenslauf ist dahin
Teil 2: Ein Jahr überbrücken
Teil 3: Die passende Ausbildung zu Deinem abgebrochenen Studiengang
Teil 4: Sinnsuche, Selbstzweifel und Mimimi
Teil 5: Den Überblick über die vielen Bewerbungen behalten
Teil 6: Bewerbungsgespräche, Einstellungstests und Assessmentcenter

*Wenn ich sage in den Mund gelegt, dann meine ich damit, dass bei einem Telefonat vor der Show mir die Frage gestellt wurde: „Würdest Du sagen ein schneller Lebenslauf ist nicht alles im Leben?“ Ich habe mit Ja geantwortet. So ging es Schröder übrigens auch mit dem Zitat „Putin ist ein lupenreiner Demokrat.“