Wenn du gegen Ende des Sommersemester dein Studium abgebrochen hast kann es gut sein, dass du ein ganzes Jahr lang bis zum Beginn des nächsten Ausbildungsjahres oder was du auch sonst vor hast überbrücken musst. Es bietet sich natürlich an in dieser Zeit etwas sinnvolles zu machen. Manche Leute machen ein freiwilliges soziales/ökologisches Jahr, andere Reisen oder machen ein Praktikum, ich habe gearbeitet und nebenher sehr viele Bewerbungsgespräche gehabt.   Die Bewerbungen gehen je nach Jahreszeit unterschiedlich gut.

Das Jahr hat Phasen. Hier ein idealisierter Jahresplan:

September bis Weihnachten – letzte Stellen abstauben!
Von deinem Studienabbruch bis Weihnachten gibt es noch die Chance direkt in eine Ausbildung einzusteigen. In dieser Zeit springen noch viele Azubis ab oder schaffen die Probezeit nicht und die Berufsschulen nehmen noch neue Leute auf.  Du muss jetzt schnell sein und du wirst schnell Antworten auf deine Bewerbungen  bekommen. Ich wurde einmal direkt am nächsten morgen angerufen. Such dir einen Job, bei den du spontan mal einen Tag frei nehmen kannst. Zeitarbeit ist in diesen Fall gar nicht schlecht. Du hast jetzt einen Vorteil, weil es nur noch wenige Bewerber gibt und die Arbeitgeber schnell entscheiden müssen. Das kannst du nutzen, also raus mit den Bewerbungen! Wenn du Glück hast musst du dann gar kein Jahr überbrücken, wenn nicht  hast du wenigsten viele Geschichten von Bewerbungen, die an Weihnachten mit nach Hause bringen kannst.  Gleichzeitig suchen jetzt auch schon viele Firmen für das kommende Ausbildungsjahr. Besonders die begehrten Stellen werden schon sehr früh vergeben.

Januar bis etwa April – es wird zäh!
Du hast dir wahscheinlich über Weihnachten und Silvester viel zu Hause anhören müssen, das Wetter ist mies und dann kommen auch noch so gut wie keine Antworten auf Bewerbungen, und wenn welche kommen sind es Absagen.  Der Winter ist die härteste Zeit, und es ist wirklich wichtig, dass du auf dich selbst achtest. Es kann passieren, dass ein Monat lang überhaupt nichts geschieht.  Sorge für Alternativprogramm, geh raus und treffe dich mit Leuten, die dir gut tun.  Und haue nebenher viele Bewerbungen raus, feile an deiner Bewerbung, probiere verschiedene Layouts und Taktiken aus und informiere dich darüber, was es noch so für Möglichkeiten gibt, sollte dein Plan nicht klappen.

März bis September – Endspurt!
Die Firmen bearbeiten jetzt die Bewerbungen, die du in den letzten Monaten abgesendet hast.  Jetzt werden die Einladungen kommen und jetzt hast du die Möglichkeit viele Erfahrungen zu sammeln. Gehe auch auf uninteressante Bewerbungsgespräche, denn erstens sind die Firmen manchmal doch gar nicht so langweilig und zweitens ist das ein Übungslauf, bei dem du auch mal mit unterschiedlicher Kleidung, anderen Argumenten und Taktiken spielen kannst. Jedes Gespräch wird dich weiter bringen, besonders solche, bei denen du mit mehreren Bewerbern gleichzeitig befragt wirst. Assessmentcenter sind unglaublich lehrreich, weil du dort auch die Taktik der Anderen siehst. Nach einer Weile wirst du ein Gefühl dafür bekommen wie du rüber kommst und zu wem du passt.
Jetzt kann es auch passieren, dass du mehrere Zusagen bekommst und eine Endscheidung treffen musst.  Du wirst  manchmal Pokern müssen. Sei vorsichtig. Gerade die Ausbeuterbetriebe wissen sehr gut wie man Dich ködert.

Einen Plan B haben
Psychisch hilft es ungemein während man sich bewirbt einen Plan B zu haben. Bei mir war das z.B. eine Zusage von einer beruflichen Schule, an der ich eine vergleichbare Ausbildung komplett schulisch ohne Betrieb machen könnte.  Man kann auch vorsorglich einen Bafög Antrag ausfüllen oder sich auf Unis oder andere Einrichtungen Einschreiben, bei denen es nicht all zu asozial ist, wenn du kurzfristig absagst. Das hilft um das Umfeld zu beruhigen und es gibt dir eine bessere Position in Bewerbungen. Du musst die Stelle nicht unbedingt bekommen, und wenn es überhaupt nicht passt kannst du nein sagen. Das sorgt für Selbstvertrauen. Natürlich ist Plan A das was du eigentlich willst, aber ein Plan B ist auch nicht dafür da, dass er eintritt, sondern er sorgt dafür, dass Plan A nicht durch Panikaktionen furchtbar daneben geht.

Dies ist der zweite Beitrag zu meiner Serie „Klar kommen nach dem Studienabbruch“. Hier eine Übersicht über alle Beiträge:

Teil 1: Der schöne Lebenslauf ist dahin
Teil 2: Ein Jahr überbrücken
Teil 3: Die passende Ausbildung zu Deinem abgebrochenen Studiengang
Teil 4: Sinnsuche, Selbstzweifel und Mimimi
Teil 5: Den Überblick über die vielen Bewerbungen behalten
Teil 6: Bewerbungsgespräche, Einstellungstests und Assessmentcenter