Schlagwort: Schreiben

Kurzgeschichte: Code Injection

Dieser Text wurde ursprünglich als Writing Prompt auf Reddit veröffentlicht. Das Writing Prompt lautete:
„Wir leben in einer Simulation, Magie bedeutet Bugs und Glitches zu exploiten, doch das Wirken von Magie wird im Verlauf des Beta Tests immer schwieriger.“

„Du meinst eine Simulation, so wie in Matrix?“ sagte ich lachend. Der alte lächelte, aber wirkte doch seltsam ernst. „Nein, nicht wie in Matrix. Es gibt keine Körper außerhalb der Simulation, wir existieren nur hier drinnen.“ Ich trank noch einen Schluck Bier und spielte das Spiel mit.

„Verstehe. Dann hoffe ich mal unsere Realität wurde nicht in Java geschrieben.“

„Nein nein, nicht in Java. In Sanskrit.“ und als er meinen Blick sah, der auf die Pointe wartete fügte er hinzu: „Zumindest deutet viel darauf hin. Heute kann man das leider nur noch sehr schwer testen.“

Ich hatte diesen seltsamen Kauz bei einer Wandertour des Alpenvereins kennen gelernt und wir verstanden uns trotz unseres großen Altersunterschieds sofort gut. Er war über achtzig und hatte die ungewöhnliche Fächerkombination Informatik und Religionswissenschaften zu einer Zeit studiert, als es noch nicht einmal Großrechner an den Universitäten gab. Er war trotz seines hohen Alters extrem rüstig und hatte keine Probleme der Gruppe bei der Wanderung zu folgen. Der Rest der Gruppe war mehr an den Wiesenblumen und dem Panorama interessiert als an unseren Gesprächen über die Details der Informatik. So kam es, dass wir die gesammte Strecke bis zu Berghütte zu zweit liefen und auch dort an einem Tisch etwas abseits unser Bier tranken. Jetzt nach dem dritten Bier wurden seine nerdigen Witze jedoch immer spezieller.

„Wie sollen wir in einer Simulation denn testen in welcher Sprache sie geschrieben wurde? Wir können doch höchstens ihre Regeln reverse engineeren?“

„Über etwas, was man heute wahrscheinlich code injection nennen würde. In früheren Zeiten konnte man die Realität mit Sprache verändern, wenn man die richtigen Worte verwendet.“

Dieser Gedanke gefiel mir. „Zauberei also? Und warum geht das heute nicht mehr?“

„Ich vermute das war ein unbeabsichtigtes Feature unserer Realität. Natürliche Sprache scheint ein Interface nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zur zeitweisen Kontrolle von einzelnen Menschen und der Materiellen Welt zu sein. Über diese Schnittstelle konnte lange auch Code in die andere Richtung fließen, vermutlich einfach weil niemand daran gedacht hatte, dass das jemals ein Mensch ausnutzen könnte. In vergangenen Zeiten war deutlich mehr möglich, heute gibt es nur noch ein paar wenige harmlose Befehlssätze die über Techniken wie Hybnose von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Früher war es möglich die physische Realität mit Sprache zu beeinflussen.“

„Hybnose, ich verstehe, ein deutlicher Hinweis.“, ich schmunzelte. „Und warum ausgerechnet Sanksrit?“

„Viele historische Texte die mit Magie oder Religion in Zusammenhang stehen enthalten Wörter, die Ihre Wurzeln in Sankrit haben. Es hat aber noch niemand die genaue Sprache zurückverfolgen können. Sanskrit ist nur linguistisch das älteste und plausibelste was wir haben. Wie gesagt, es ist heute fast unmöglich das zu testen. „

Fast unmöglich?“

„Jedes System hat Lücken, egal wie ausgereift es ist. Und du kennst das sicher aus der IT, irgendein ungeschützter Zugang ist immer noch übrig. Man muss etwas in der Natur finden, das Sprache weiter gibt aber unscheinbar genug ist um über die Jahrtausende vergessen worden zu sein.“

„Interessanter Gedanke. Und was könnte das sein?“

„Komm mit.“

Es dämmerte schon längst, aber ich folgte den Alten nach draußen. Hinter der Hütte war ein enges Tal mit einer Steilwand die direkt zu uns zeigte.

„Es ist gut, dass ich einen Zeugen habe. Ich habe nämlich nur ein Wort, von dem ich sicher bin, dass es ein valider Befehl ist, und es ist, nunja… etwas suboptimal. Es ist das Sanskrit-Wort antardhā – Verschwinden.“

Langsam fand ich die Sache doch sehr seltsam, aber was hätte ich tun sollen? Er war einfach nur ein schrulliger alter Mann der ein Wort sagen wollte. Wir waren im Tal, vor einer Steilwand, nirgendwo war ein gefährlicher Abhang oder so etwas.

„Ich habe lange gesucht und getestet, und ich bin mir mittlerweile sicher, dass es einen letzten Weg für Code Injection gibt. Das Echo. Diese Stelle hier ist für ihr extrem klares Echo bekannt. Ich bin jetzt Bereit meine Theorie zu testen.“

Und dann atmete der alte Mann ein und rief mit einer Lautstärke, die ich ihm nicht zugetraut hätte „antardhā“. Ich schaute zum Felsen und hörte das Echo des Wortes fast so klar wie den ursprüngliche Ruf. Doch als ich dann nach dem Alten sah konnte ich ihn nirgends mehr finden.

Übers Schreiben

How to write good

How to write good – dieses Bild geht schon eine Weile unter Schreiberlingen herum

Ich beschäftige mich immer wieder mit Schreiben in den unterschiedlichsten Formen.  Daher habe ich im Laufe der Zeit einige Regeln und Tipps auf geschnappt, die ich gerne weiter geben würde.

Allgemeines, mit dem man auf die Schnelle jeden Text besser machen kann:

  • Rede mit jemanden darüber. Du kannst ihn auch den Text vorlesen lassen, da merkt man schnell, an welchen Stellen es im Textfluss oder im Verständnis noch hakt. Ganz wichtig dabei: Nichts erklären oder rechtfertigen! Der spätere Leser muss den Text auch alleine verstehen.
  • 10% kürzen. Die meisten Texte gewinnen, wenn man sie kürzt
  • Wenn Du nichts mehr findest, Schriftart und Spaltenbreite ändern! Deine Augen gewöhnen sich irgendwann so sehr an den Text, dass Du ihn nur noch überfliegst. Du kannst dein Gehirn austricksen, indem Du das Design änderst. Du wirst sehen, es liest sich fast wie ein neuer Text.

Nun aber zu den Details:

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