Blogparade: Nachhaltigkeit auf Reisen

– nützliche Informationsquellen, Tipps und Infos für sparsame Rucksackreisende

Man kann erstaunlich günstig reisen, wenn man einige Dinge beachtet. Und in dem meisten Fällen bedeutet günstig auch ressourcenschonend und damit zumindest nachhaltiger als andere Arten zu reisen.  Wer günstig unterwegs ist hat meist nicht wirklich Erholung im Sinn sondern Ablenkung, neue Erfahrungen und einen direkteren Zugang zum Reiseziel, als man es auf einer Liege am Strand hätte.  Hier also ein Paar Tipps, Links und Erfahrungen über günstiges und ressourcenschonendes Reisen in Europa, die ich anlässlich der Blogparade „Nachhaltigkeit auf Reisen“ hier sammle.

Fortbewegungsmittel und Schlafplätze teilen
Die zwei Größten Posten beim Reisen sind die Fortbewegung und die Übernachtung.  Deswegen gibt es dafür auch eine ganze Reihe von Angeboten im Internet. Wer bei Fremden im Auto für wenig Geld mitfahren will findet unzählige Seiten wie mitfahrgelegenheit.de oder mitfahrzentrale.de. Wer lieber kostenlos fährt findet viele nützliche Tipps zum Trampen im Hitchwiki und mit „Hand gegen Koje“ kann man sogar gegen Arbeit kostenlos auf privaten Jachten mit segeln. Man kann sich natürlich genauso spontan zusammen schließen um sich beispielsweise Gruppentickets bei der Bahn zu teilen oder ähnliches. Wenn es auf den Webseiten nicht gibt, lohnt es sich immer noch mal in dieser Realität da draußen nach zu schauen.

Für Übernachtungen ist der größte Anbieter natürlich  Couchsurfing , es gibt aber auch andere, teilweise weniger kommerziell ausgerichtete Gastfreundschaftsnetzwerke. Eine Liste von Anbietern findet ihr hier im Hitchwiki. Couchsurfing ist aber der mit Abstand größte Anbieter.

Für den dritten großen Kostenpunkt, das Essen gibt es weit weniger, weil man Essen nun mal schlechter Teilen kann als einen Schlafplatz.  Die einzige Seite, die ich kenne ist mundraub.org. Dort findet man eine Karte in der öffentlich zugängliche herrenlose Obstbäume, Sträucher, Nüsse, Kräuter und ähnliches eingetragen werden.

In Gruppen reisen!
Bahnreisen in Europa sind fast immer ziemlich teuer, teilweise ist Fliegen wirklich günstiger.  Selbst mit einen Interrail-Ticket kommt man nur billig davon wenn man wirklich viel  und lange unterwegs ist.  Ganz anders sieht es mit Gruppentickets aus.  Selbst in Deutschland kommt man für fast umsonst überall hin, wenn man eine Gruppe findet, die sich durch fünf teilen lässt.  Die Länder-, Quer durchs Land- und Schöne Wochenendtickets kosten dann pro Person unter 10 Euro pro Tag. Daher empfiehlt es sich sich mit interessanten und netten Menschen zu organisieren. Und nett sollten sie wirklich sein, denn mit solchen Tickets verbringt man viel Zeit in Regionalzügen. Ich habe das beispielsweise 2011 getan, als ich gegen Ende meines Zivildienstes eine dreiwöchige Reise bis nach Kiew gemacht habe. Für die gesamte Strecke  hin habe ich gerade mal 70 Euro gezahlt weil ich zu dieser Zeit ein ungewöhnliches Hobby hatte.

Das Schild mit dem ein Mitreisender aus Holland her getrampt war wurde zum Spieltisch recyclet und dafür verwendet die Gruppe in der U-Bahn von Kiew zusammen zu halten.

Ein „Köln Hbf“-Schild mit dem ein Mitreisender von Holland aus hergetrampt war wurde kurzerhand und höchst nachhaltig zum Spieltisch recycelt oder dafür verwendet die Gruppe in der U-Bahn von Kiew zusammen zu halten.

Ich habe mich damals einer Gruppe Esperantisten angeschlossen, die zu einen Art Esperanto-Festival fuhren, das in diesem Jahr in der Ukraine statt fand, das IJK 2011 . Die Anhänger der Kunstsprache kamen von überall aus Europa und der Welt. Ich selbst konnte nur ein Paar Brocken Esperanto, aber die Sprache ist so einfach und intuitiv, dass man das praktisch nebenher lernt. Organisiert wurde die gemeinsame Fahrt, die Karavano, wie sie auf Esperanto genannt wird, von einen witzigen Franzosen. Daher startete die Gruppe in Frankreich und ich stieg in der Nähe von Freiburg mit in den Zug, wo wir noch relativ wenige Leute waren. Von da an wuchs die Größe dieser Karawane von Station zu Station immer weiter. Wir picknickten am Bodensee,  verbrachten eine Nacht in einer Jugendherberge in Passau, aßen in Brateislava bei der Familie einer Esperantistin zu Mittag und fuhren den Rest der Fahrt in Nachtzügen über zwei Tage bis nach Kiew. Am Ende dürften wir etwa 30 Leute gewesen sein, wir hatten einen ganzen alten sowjetischen  Schlafwagen für uns. Auf der Rückfahrt bin ich nur bis Wien mit der Gruppe gefahren und ab dort alleine mit dem Rucksack zurückEs muss ja nicht gleich ein Esperanto-Treffen sein, aber es gibt auch viele andere organisierte und unorganisierte Gruppenreisen, Sprachreisen oder Erwachsenenfreizeiten bei denen man viel sieht und neue Leute kennen lernt und gleichzeitig günstig und relativ umweltfreundlich vorwärts kommt.

In internationalen Gruppen reisen!
Eine internationale Gruppe lohnt sich immer und man kommt in ganz Europa gut durch wenn man verschiedene Leute in der Gruppe hat, die eine slawische, eine lateinische und eine germanische Sprache kennen. Damit lässt sich fast alles irgendwie herleiten. Englisch ist natürlich überall hilfreich, aber gerade in Osteuropa kann man es auch mal mit Deutsch versuchen, das können erstaunlich viele. Vorsicht mit Russisch! Zumindest in Polen verstehen viele von den älteren Russisch sehr gut, aber weigern sich zu antworten wenn man sie auf Russisch anspricht. In Polen hat Russisch historisch bedingt einen wirklich miesen Ruf, mittlerweile einen viel mieseren als Deutsch. Im Zweifel immer erst die Landessprache in holprig versuchen und dann auf eine zweite Sprache wechseln. Das ist höflicher. Als internationale Gruppe bekommt man aber deutlich weniger Vorurteile zu spüren, weil man nicht so offensichtlich in eine Schublade passt und auch viele Leute verwirrt. Außerdem lernt man so nicht nur das eine Land kennen, in das man reist sondern lernt gleich noch über die Mitreisenden viele weitere Mentalitäten und Geschichten kennen.

Gut planen und mit fremden Leuten reden
Große Gruppen haben viele Vorteile, aber auch den Nachteil, dass man meist unter sich bleibt. Da ich selbst manchmal etwas schüchtern bin umgebe ich mich gerne mit kontaktfreudigen Leuten über die man dann quasi per Proxy neue Leute kennen lernt.  Das ist nicht nur interessant und lässt dich selbstsicherer werden sondern kann dir auch ganz konkret für die Reise nützen.  Denn andere Reisende oder auch Lokale können dir wertvolle Tipps geben und du kannst über sie vieles entdecken was du nicht in den Reiseführer findest.  Gerade wenn es um Bustickets, lokale Tarife, kostenlose Tage bei Museen und andere kleine Tipps geht sind solche Gespräche viel Wert. Allerdings gibt es auch irgendwann dieses Typische Hostel-Gespräch, das immer gleich abläuft und viele Leute schnell nervt. Dafür wann man nervt bekommt man aber irgendwann ein Gefühl.  Um selbst auch Tipps weiter geben zu können sollte man aber doch schon zumindestens mal auf auf wikivoyage.org oder so ein wenig über den Ort gelesen haben. Es geht zwar auch völlig ohne, man kann in jeder fremden Stadt irgendwo einen Flyer mit einer Stadtkarte drauf organisieren und sich dann weiter bis zu einen Hostel oder der Touristeninformation vorarbeiten, aber ein wenig Planung hilft doch auch manchmal.

Die Reise selbst in dir nachhaltig werden lassen
Klingt esoterisch, ist aber gar nicht so gemeint. Viele Reisen sind einfach ein Paar Monate danach nur noch hübsche Bilder und ein Jahr später nur noch irgendein Ordner auf einer externen Festplatte in der Schublade. Zur Nachhaltigkeit zählt für mich auch, dass die Reise selbst in dir irgendwie längerfristig wirkt. Manche Reisen aus meiner Kindheit sind heute noch wie ein Anker für mich, an Andere erinnere ich mich kaum noch. Das zu planen ist schwer, weil die Dinge, welche wirklich hängen bleiben sind meist nicht geplant. Man kann aber dem Zufall bewusst eine Chance geben und sich bewusst in Situationen bringen in denen schöne Dinge zufällig passieren können.  Das heißt z.B. einen Zeitplan haben, der sich spontan ändern lässt oder auch mal ohne zu wissen was dort ist zu einen Grünen Fleck auf der Stadtkarte laufen.  Es gibt überall schöne kleine Dinge, und die meisten entdeckt man nur wenn man sich Zeit nimmt und wie ein Kind umher schlendert. Mach viele Fotos, das ist okay.  Aber die Momente die dich prägen werden wahrscheinlich nicht unter den Fotos sein.  Manchmal sind es gerade die stressigen Situationen, an die man wächst.  Einer der wichtigsten Reiseerfahrungen für mich war die Erkenntnis: „Das schlimmste was passieren kann ist dass Du eine Nacht auf dem Bahnhof verbringen musst.“  Wenn du freundlich bist werden dir Menschen helfen. Europa ist friedlich und man kann frei drauf los reisen. Man kann an jeder Station mit neuen Menschen noch einmal neu anfangen, sich selbst ausprobieren.  Man kann vielleicht halbwegs umweltbewusst reisen, aber nie wirklich nachhaltig im Sinne von „ich verbrauche weniger als zu hause“ außer wenn man einen reinen Wanderurlaub macht vielleicht.  Das einzige was am Reisen wirklich nachhaltig sein kann sind deine Erfahrungen.

Die Links aus dem Text:

www.couchsurfing.org
Couchsurfing ist ein Gastfreundschaftsnetzwerk, dort findest du Leute, bei denen du auf der Couch oder sonst wo eine oder mehrere Nächte verbringen kannst.  Eine Liste von anderen Gastfreundschaftsnetzwerken  findet ihr hier im Hitchwiki.

www.mitfahrgelegenheit.de
Ist die bekannteste Seite um bei Leuten, die noch Platz im Auto haben mit zu fahren. Es gibt aber unzählige Anbieter wie www.mitfahrzentrale.de oder www.blablacar.de.  Fast alle Anbieter versuchen früher oder später irgendwie kostenpflichtig zu werden und danach kommt schnell eine neue Seite in Mode.

hitchwiki.org
Wiki in vielen Sprachen für Tramper und Rucksackreisende. Hier gibt es viele nützliche Tipps für alle Regionen der Welt. Wo stellt man sich am Besten hin? Was gibt es zu für dieses Land zu beachten? Was packe ich in meinen Rucksack? Wie verhalte ich mich wenn es gefährlich wird?

wikivoyage.org
Größtes Reisewiki überhaupt, mittlerweile unter Schirmherrschaft der Wikimedia Foundation.

mundraub.org
Eine Karte die herrenlose Fruchtbäume, Sträucher, Nüsse und Kräuter (hauptsächlich) in Deutschland sammelt.

mitsegeln-hand-gegen-koje.de/
Bei Hand gegen Koje kann man auf Privaten Jachten anheuern wenn man Ahnung vom Segeln hat. Hab ich noch nie ausprobiert, der link steht hier für „irgendwann“.

de.interrail.eu
Interrail ist ein Flatrate-Eisenbahnticket für Ganz Europa (außer dein eigenes Land) oder auch ein Ticket für einzelne Länder.  Es ist ideal für Europarundreise und vergleichsweise günstig.

Leave nothing but footprints
Take nothing but pictures
Kill nothing but time

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von meehr-erleben! Noch bis zum 10. Mai 2014 könnt Ihr mit Euren Gedanken zum Thema “Nachhaltiges Reisen” teilnehmen. Einige interessante Ansätze und Tipps findet man beispielsweise auf dem Beitrag zur Blogparade von reisemeisterei.de.

EDIT: Die Blogparade läuft weiterhin, und ich möchte noch auf den Beitrag von flocutus.de hinweisen. Er vertritt auch die These: low budget -> low impact. Insbesondere dieser Cartoon zu Carbon Offsets hat mir sehr gefallen:

poolpinkeln-900x300

  1. Danke für die Erwähnung! Den Punkt „Hand gegen Koje“ finde ich einen interessanten Ansatz und auch das „Die Reise in Dir nachhaltig werden lassen“ ist eine sehr schöne Formulierung. Die oft geliebten Kurztrips sind eigentlich das Gegenteil einer nachhaltigen Reise. Hier ist der innere Schweinehund manchmal einfach zu stark…Christina von der http://www.reisemeisterei.de

Schreibe einen Kommentar