Übers Schreiben

How to write good

How to write good – dieses Bild geht schon eine Weile unter Schreiberlingen herum

Ich beschäftige mich immer wieder mit Schreiben in den unterschiedlichsten Formen.  Daher habe ich im Laufe der Zeit einige Regeln und Tipps auf geschnappt, die ich gerne weiter geben würde.

Allgemeines, mit dem man auf die Schnelle jeden Text besser machen kann:

  • Rede mit jemanden darüber. Du kannst ihn auch den Text vorlesen lassen, da merkt man schnell, an welchen Stellen es im Textfluss oder im Verständnis noch hakt. Ganz wichtig dabei: Nichts erklären oder rechtfertigen! Der spätere Leser muss den Text auch alleine verstehen.
  • 10% kürzen. Die meisten Texte gewinnen, wenn man sie kürzt
  • Wenn Du nichts mehr findest, Schriftart und Spaltenbreite ändern! Deine Augen gewöhnen sich irgendwann so sehr an den Text, dass Du ihn nur noch überfliegst. Du kannst dein Gehirn austricksen, indem Du das Design änderst. Du wirst sehen, es liest sich fast wie ein neuer Text.

Nun aber zu den Details:

Logische Elemente im Satz zusammen halten
Das Kurzzeitgedächtnis des Lesers reicht 3 Sekunden in die Vergangenheit. Das entspricht beim Lesen ungefähr 12 Silben.
Weiter solltest Du zusammenhängende Teile eines Satzes nicht auseinander ziehen. Konkret geht es um:

  • den Abstand zwischen Artikel und Substantiv
  • den Abstand zwischen Gegenstand (Subjekt) und Aussage
  • den Abstand zwischen zwei Hälften eines zweiteiligen Verbs
  • keine eingeschobenen Nebensätze -> hinten anhängen!

Auf der Wortebene

  • Adjektive sind die am meisten überschätze Wortgruppe.  Meistens kann man sie weg lassen. Im Zweifelsfall lieber beschreiben statt ein Adjektiv verwenden.
  • Den Nominalstil verwenden meist Behörden und Akademiker. Er erzeugt Distanz und ist zu allgemein gehalten. Endungen wie -ung sind gefährlich, aber auch -heit und -keit. Vermeide Überbegriffe. Diese Fragen können dir Helfen:

    1. lässt sich das Wort durch ein Verb ersetzen?
    2. lässt es sich wenigstens durch ein einfaches Wort ersetzen?

     

  • Viele verwenden Synonyme, um einen Text abwechslungsreicher zu machen. Das kann funktionieren, oft verwirren Synonyme jedoch den Leser unnötig. Bei Sachtexten helfen diese Regeln:
    1. Für Nebensachen (Verben, Adjektive, Präpositionen) Synonyme verwenden.
    2. Aber: Wichtige Wörter wiederholen. Für das Verständnis ist es hilfreich Wörter bei zu behalten, wenn sie Grundaussagen/Pfeiler des Textes bilden
    3. Nicht alle Synonyme sind echte Synonyme.  Achte auf unechte Synonyme ( z.B. Fratze ↔ Gesicht)

     

  • Wörter, die man benutzen sollte
    kurze Wörter -> Wörter umso Verständlicher umso kürzer sie sind (Yes, we can!)
    konkrete Wörter ->erzeugen Bild im Kopf (Möbel statt Einrichtungsgegenstand)
    Verben! Außer :

    1. tote Verben wie: gehören, sein
    2. Bürokratieverben: bewirken, beinhalten
    3. Imponierwörter: es gibt keinen Grund auf dieser Welt Wörter wie „verbalisieren“ oder „ubiquitär“ zu verwenden, außer Du willst die Gruppe derer klein halten, die deinen Text verstehen.

     

Lerne das Zehnfingerschreibsystem!
Ich musste auch erst 22 Jahre alt werden, bis ich es mir beigebracht habe, doch ich sage dir: Mach es. Wenn man nicht dauernd zwischen Tastatur und Bildschirm hin und her blicken muss, hat man einen viel direkteren Zugang zum Text. Der Fokus bleibt beim Bildschirm und „hüpft“ nicht andauernd. Außerdem sieht es deutlich cooler aus.
tipp10
Ich habe es mit dem kostenlosen Programm Tipp10 gelernt und etwas drei Monate gebraucht. Ich glaube mit Kursen oder etwas Disziplin kann es auch deutlich schneller gehen.

Nützliche Literatur/Webseiten und Beschäftigungen

"The Elements of Style" von Strunk und White gilt als die Bibel aller englischsprachigen Schreiber

„The Elements of Style“ von Strunk und White gilt als die Bibel aller englischsprachigen Schreiber

Das beste was Du machen kannst um besser zu schreiben, ist bewusst lesen. Analysiere die Texte von anderen, und versuche zu verstehen, was sie eigentlich machen. Es gibt aber auch unzählige Bücher über das Schreiben selbst auf dem Markt sowie unzählige Blogs und Webseiten zum Thema. Ich kenne nur wenige davon, folgendes halte ich jedoch für Erwähnenswert:

      • Die Webseite von Andreas Eschbach  (meinen Lieblingsautor) enthält eine eigene Sektion nur über das Schreiben (von Romanen und Kurzgeschichten). Es gibt eine riesige Fragen und Antworten Abteilung , Tipps zur Verlagssuche  und ein eigenes System zur Nachbearbeitung von Texten. Viele wichtige Einsichten habe ich von dort.
      • „The Elements of Style“ von Strunk und White ist das Standardwerk für Schreiberlinge aller Art (vor allem aber für wissenschaftliche Texte).  Es ist englisch, die Regeln gelten aber meist für alle Sprachen.
      • Schreibseminare sind meiner Erfahrung nach recht sinnvoll. Ich hatte eins bei einem Journalisten, der hatte den Fokus auf verständliche Sprache. Schreibseminare können ganz unterschiedliche Ziele haben.  Informiert euch vorher, ob der Fokus auf Sachtexten oder eher auf der Lyrik liegt.

Ich hoffe der ein oder Andere Rat hier hilft euch beim Schreiben. Aber nicht vergessen: Das hier sind Richtlinien, keine Gesetze! Im Zweifelsfall auf deinen Bauch und einen guten Freund hören.

  1. Viel Erfolg beim Schreiben! Zum Thema Überbegriffe rate ich zu „Unterbegriffen“. Anstelle von „die Pflanzen blühen auf“ verwende lieber „Maiglöckchen, Tulpen und Krokusse blühen auf“ (oder Maiglöckchen, Tulpe und Krokus). Damit ist klar, dass es sich um Pflanzen handelt, ohne dass der Begriff verwendet wird. ;). Das Weglassen der Adjektive – demgegenüber bin ich zwiegespalten. Immerhin existiert diese Wortart, um Sachen näher zu beschreiben. Sicher kann man Adjektive durch Wortgruppen ersetzen. Für ein einzelnes Wort, das ein Gefühl oder eine Vorstellung ausdrückt, ist das Adjektiv jedoch immer noch die beste Wahl. Was damit gemeint ist, kann man auch gern hier noch mal nachlesen: http://www.inhalt-ug.de/adjektive-content-marketing/ Adjektive können eben Emotionen erwecken. Ganz weglassen kann man sie m. E. nicht, gerade dann nicht, wenn man neugierig machen will und das auf kleinstem Raum passieren muss. In Romanen, freilich, gibt es mehr Platz dazu. Dass Lesende nur einen Teil des Satzes behalten, ist wohl leider wahr. Daher ist es tatsächlich wichtig, auf die Abstände zwischen den einzelnen Teilwörtern zu achten. Dass Nebensätze hinten angestellt werden sollen, ist immer noch nicht bei jedem angekommen. Daran ist aber auch die Schule „schuld“, denn immerhin hieß es dort, Elemente, die das Vorhergehende beschreiben, direkt anzuschließen. (Nach der „guten“ Variante würde in diesem Beispiel der Nebensatz erst nach „anzuschließen“ folgen.) Als deutsche Stilikone kann ich noch Wolf Schneider empfehlen.

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